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Modernisierung Grundschule _ Hauptmannsgrün | Vogtland

2014-2022

Ein Schulhaus aus Holz im Dorf

Eine Grundschule zum Lernen, Toben und einfach „Kind sein“...

steht mitten in der gewachsenen vogtländischen Dorfstruktur der Gemeinde Hauptmannsgrün.

Berücksichtigung der Bau- und Nutzungsgeschichte

Irgendwie „schon immer“ steht in „zweiter Reihe“ am Strassendorf die Alte Schule, heute als gemeindeeigenes Mietwohnhaus genutzt. Der zentrale historische Schulplatz am Dorfbach wurde im 20.Jahrhundert mehrfach an- und umgebaut und kontinuierlich als Grundschule betrieben. Die demographische Statistik sagte der Schule einen kontinuierlichen Rückgang der Schülerzahlen laut Einwohnermeldeamt bis 2019 auf 10 Einschulungen voraus. Tatsächlich stiegen die Zahlen aber unter Berücksichtigung des ländlichen Einzugsbereiches und der realisierten Maßnahmen zum Erhalt aktuell auf 26 Einschulungen 2021.

Architektonisch gestalterische Qualität

Beispielgebend und Ressourcen schonend wurde der Schadstoff belastete Gebäudeteil einer alten DDR Grundschule durch einen zeitgemäßen Holzbau ersetzt und ein noch funktionsfähiger Gebäudeflügel lediglich im Inneren sparsam saniert.

Unter Ausnutzung der bestehenden Substanz und Infrastruktur, ohne zusätzlichen Flächenverbrauch, entstand in einer vertrauten Umgebung ein zukunftsfähiges, klassenübergreifendes Schulmodell. Die begrenzten wirtschaftlichen Möglichkeiten sahen im ersten Bauabschnitt die Innensanierung des vorhandenen Klassenzimmerflügels und im zweiten Bauabschnitt den Ersatzneubau für Turnmehrzweckraum mit Umkleiden, Verwaltung, Kreativbereich und Grünes Klassenzimmer vor. Aussenanlagen und die Fassade des Altbaus folgen zeitversetzt.

Ein großzügiger zentraler Haupteingang nimmt die Schüler und Lehrer in Empfang. Ein schlüssiges Farbkonzept als Leitsystem für die Erschließungsbereiche erleichtert die Orientierbarkeit in den Erschließungsbereichen und verschmilzt den Alt- mit dem Neubau. Der Turnmehrzweckraum wird außerhalb des Schulbetriebs auch von Vereinen im Dorf genutzt. Im Erdgeschoss des Altbaus wird eine neue Mensa geschaffen, während sich die sechs Klassenräume auf das erste und zweite Obergeschoss verteilen.

Ein besonderes Highlight für die Kinder ist der neue Kreativbereich mit einer großen Freiterrasse, welche als Grünes Klassenzimmer witterungsgeschütztes Lernen im Freien ermöglicht.

Orginalität im Konzept bzw. in der Umsetzung

In Nachbarschaft mit frei laufenden Hühnern auf einer Streuobstwiese lernen Kinder lesen, schreiben und das kleine Ein mal Eins.

Und dies nicht in der sonst üblichen Weise. Das Modell des jahrgangsübergreifenden Schulbetriebs begeistert mittlerweile Eltern wie Schüler.

Bereits am Tag der Einschulung werden die Erstklässler von den Zweitklässlern empfangen und während des ersten Jahres begleitet. Die Größeren lernen Verantwortung zu übernehmen, die Kleineren haben Orientierung auf „Aughöhe“. In den Klassenstufen 3 und 4 funktioniert es ähnlich, natürlich auf einem höheren Niveau.

Neben den Vorteilen eines gemeinschaftlichen Unterrichtsbetriebes erlaubt dieses Modell auch individuelle Betreuung und Förderung lernstarker bzw. lernschwacher Schüler.

Schulhund Oskar als „Co-Pädagoge“ fördert die sozialen und emotionalen Kompetenzen sowie die allgemeine Einstellung zur Schule.

Barrierefreiheit

Ein barrierefreies Erschließungskonzept der Innen- wie Außenräume bietet alle notwendigen Voraussetzungen für einen inklusiven Schulbetrieb. Alle Ebenen sind über einen Fahrstuhl erreichbar.

Bewegungsflächen, Durchgänge und Rampen sind barrierefrei dimensioniert.

Weiterentwicklung historischer Siedlungsformen

Das Modell Hauptmannsgrün zeigt in vorbildlicher Form, wie sich der Transformationsprozess des ländlichen Raumes im digitalen Zeitalter hin zu einem zukunftsfähigen, wohnwerten Lebensraum für Familien, abseits der Ballungsgebiete, vollziehen kann.

Kurze Wege, bezahlbares Wohneigentum, flexible Kinderbetreuung und landwirtschaftliche Bio- Selbstvermarkter sind beispielhafte Grundbausteine für eine funktionierende Vereinbarkeit von Beruf und Familie im dörflichen Kontext.

Klimagerechtes Bauen

Mit seiner unkonventionellen Entscheidung, verwertbare Substanz zu erhalten und durch einen nachhaltigen Ersatzneubau zu ergänzen, hat der Gemeinderat ein topaktuelles Thema aufgegriffen, welches speziell die junge Generation anspricht.

Besonderes Augenmerk gebührt dabei dem Einsatz vorgefertigter Brettsperrholzelemente, welche durch einen regionalen Zimmereibetrieb in einer Nachbargemeinde hergestellt werden. Die sonst üblichen langen Transportwege aus Österreich oder Süddeutschland konnten nahezu komplett eingespart werden. Dieses besondere Einzelstellungskriterium, mit Bezug zum innovativen, regionalen Handwerk, traditioneller Bauformen und eines konsequent, ganzheitlichen Planungsansatzes tragen maßgeblich zu einem authentischen

Eine Kombination aus etablierter Ignoranz, Besorgnis um den eigenen Status und mangelnder Mut vor einer radikalen Änderung unserer Lebenswirklichkeit, die immer noch vom Wachstumsgedanken getrieben wird, stößt - seit langem - an Grenzen.

Die Angst vor einer aus den Fugen geratenen ökologischen Zukunft schärft das Bewusstsein der Menschen nach radikal notwendigen Maßnahmen zum Schutz des ökologischen Gleichgewichtes.

Bezug zu regionalen Bauformen und Bauweisen

Erhaltung bzw. Neuinterpretation regionaltypischer Details

Der beispielhaft bewusste Umgang mit einer öffentlichen Bauaufgabe ist für die Identifikation der Dorfgemeinschaft mit Ihrer Gemeinde von enormer Bedeutung und wird Vorbild wirkend auf die Entwicklungen und das Erscheinungsbild des Ortes einwirken.

Die traditionellen Holztypologien der dörflichen Umgebinde- und Fachwerkbauweisen wurden durch einen zeitgemäßen Holzbau neu interpretiert. Die hölzerne Fassade fügt sich in den regionaltypischen Kontext ein und nimmt Bezug zum traditionellen Bild ländlicher Funktionsbauten. Speziell das Bemühen um den Erhalt bestehender Strukturen, unter Anwendung zeitgenössischer Ergänzungsbauten, die Verwendung von Holz und weiterer natürlicher Baustoffe und ein insgesamt naturnaher, Ressourcen schonender Umgang unter Beachtung der „cradle to cradle“ Kreislaufwirtschaft sollte im Focus der Verantwortlichen und der Bürgerschaft stehen.

Bauherr

Gemeinde Heinsdorfergrund

Ansprechpartner

Frau Dick, Herr Greger

Mitarbeiter

Nadine Bronsert
Roger Neumann
Christian Schlipp

Typologie

Bildung und Sport

Leistungsphasen

1-9

All fine.