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Haus der Diakonie und Kirche Plauen

2021

STATUS QUO

Das zu überplanende Grundstück ist Teil des letzten unbebauten Eckquartiers am Altmarkt von Plauen und aus diesem Grund für die weitere städtebauliche Entwicklung der historischen Altstadt von immanenter Bedeutung. Der Entwurfsverfasser vertritt den Standpunkt, dass die Entwurfsaufgabe nicht nur über die solitäre Betrachtung der vorhandenen „Lücke“ zu lösen ist, sondern dass das Gesamtquartier hinsichtlich seiner städtebaulichen Potentiale vorgedacht werden sollte.

Aus heutiger Sicht macht dies um so mehr Sinn, da sich der überwiegende Grundstücksanteil im Eigentum der städtischen WBG befindet. Das süd-östliche Eckgrundstück des Pfarrhauses ist im kirchlichen Besitz und lediglich die desolate zweigeschossige Brache auf der süd-westlichen Quartiersecke hat einen privaten Eigentümer. Ein Anbau an die Bausubstanz zieht einen unverhältnismäßig hohen Aufwand einer Bestandssicherung mit Fundamentunterfangungen nach sich ohne realistisch einschätzen zu können, ob das Gebäude oder die verbleibende Fläche je eine Nachnutzung erfahren werden. Somit greift das Instrument der Befreiungsmöglichkeit von den Festsetzungen des B-Plans gleich in mehreren Punkten.

Die im B-Plan ausgewiesene Quartiersfläche hat überwiegend Kerngebietsqualität mit einer max. zulässigen GRZ von 0,9. Die hochwertige Standortqualität zum Altmarkt hin (Altmarkt/Obere Endestrasse) lässt den Bedarf einer maximal überbaubaren Erdgeschosszone für Geschäfte und Dienstleister erwarten, während sich die oberen Geschosse typologisch auf die Tiefe von zeitgemäßen Wohnungen mit einem attraktiven Wohnhof zurücknehmen werden. Für eine künftige innere Grundstücksgrenze hätte dies bauordnungsrechtlich zu Folge, dass eine Grenzbebauung mit Zustimmung des Nachbarn grundsätzlich möglich und nutzungsseitig auch sinnvoll wäre, um das wertvolle Flächenpotential wirtschaftlich voll auszuschöpfen.

ENTWURFSKONZEPT

Mit dem vorhandenen Pfarrhaus wurde in der Gründerzeit die historische Kleinteiligkeit des kirchnahen Quartiers überformt und der Maßstab einer künftigen Bebauung vorgegeben. Trotz seiner Opulenz wirkt es als einseitige Eckbebauung mit dem verwaisten Brandgiebel „unvollendet“.

Der vorliegende Entwurf versucht nicht durch einen Lückenschluss, sondern vielmehr durch einen solitären, querschnittsgleichen Anbau und einer weiteren entstehenden Ecksituation die Zugehörigkeit beider Gebäudeteile, aus unterschiedlichen Zeiten, ablesbar herauszuarbeiten. Es gibt ein das städtebauliche Bild maßgeblich prägendes archetypische Haupthaus mit Hauptportal und Nebeneingang sowie ein zurücktretendes, zweigeschossiges Hinterhaus.

Das Hauptportal an der Kirchstrasse ist genau auf die Achse der Strasse am Johanniskirchplatz gesetzt und bildet somit das Pendant zum Seiteneingang der Johanniskirche in der verlängerten Achse der Unteren Endestrasse.

Durch das Abrücken von der weiter oben beschriebenen, verwahrlosten Eckbebauung entsteht ein kleiner Vorplatz an der Giebelseite, welcher in der Tiefe von der zweigeschossigen Sozialstation gefasst wird. Durch die wechselseitige Anordnung des strassenbegleitenden Haupthauses und der auf die hintere Grenze gesetzten Nebengebäudes entsteht im inneren Grundstücksbereich eine definierte Hofsituation.

Der vorliegende Lösungsvorschlag basiert auf der Ausnutzung der vorgegebenen Grundstücksfläche. Um eine zeitnahe Realisierung des Vorhabens für den Bauherren zu ermöglichen, sollte bei einer Weiterführung der Planung der Grundstückszuschnitt nochmals überdacht werden.

MATERIALITÄTEN

Ein steinernes Haupthaus und ein hölzernes Hinterhaus... so die Idee.

Für das Haupthaus schlagen wir eine ausschließlich massive Außenwandkonstruktion ohne zusätzliche Dämmebenen vor. Nach dem Vorbild des „2226“ von B&E in Lustenau schlagen wir eine 74-er zweischalige Ziegelaußenwand vor, welche Tradition, Einfachheit und Nachhaltigkeit mit den Anforderungen zeitgemäßer Energieeinsparungen verbindet (weitestgehende Minimierung der Gebäudetechnik). Traditionelle Putztechniken, feie Detaillierungen aus geschlemmten Klinkern in den Eingangs- und Friesbereichen und ein Schieferwalmdach. Ein schweres Hauptportal aus Eiche und ein gläsernes Nebenportal aus thermisch getrennten Stahlprofilen.

Das Hinterhaus lehnt sich als Massivholzkonstruktion an eine Stahlbetonbrandwand. Die konstruktiv notwendigen Innenwände bleiben in geschliffener Qualität sichtbar. Sonstige Raumabtrennungen erfolgen durch raumhohe Einbaumöbel bzw. Glastrennwände.

Die Fassaden des Hinterhauses nimmt das hölzerne Motiv auf und tritt durch eine gleichmäßige Lamellenkonstruktion, ähnlich einem Vorhang, in den Hintergrund.

ERGEBNIS

Ein archetypisches Haus, gebaut aus wenigen, einfachen und traditionellen Materialien.

„Der ökumenische Rat der Kirchen hat 1975 mit der Forderung einer „nachhaltigen und verantwortlichen Gesellschaft“ den Begriff der Nachhaltigkeit erstmals auf die internationale politische Agenda gesetzt, als Klimawandel noch nicht im gesellschaftlichen Fokus stand.“

Auszeichnung

3. Preis

Mitarbeiter

Tobias Hempel

Typologie

Bildung, Verwaltung und Wohnen

Verfahrensart

Realisierungswettbewerb

Auslober

Diakonie Plauen

All fine.