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H34 Ellefeld

2020-2022

Konzeptidee

Für eine perspektivisch klar ablesbare Zonierung der Nutzungsebenen arbeitet der vorliegende Entwurf den ursprünglich achsial angelegten Grundriss des Bestandes konsequent auf.

Vom zentralen, straßenseitigen Portal gelangt der Bürger barrierefrei in das Gebäude. Dort wird er von einer zweigeschossigen zentralen Halle in Empfang genommen. Neben dem bereits vorhandenen Bäcker- und Metzgerfilialen können hier regionale Einzelvermarkter ihre Produkte im „Markt der Frische“ anbieten.

Die Halle bzw. die „Marktstraße“ durchdringt die Gebäudestruktur bis zum hinteren Ein- bzw. Ausgang und setzt sich als Außenmarkt- bzw. Hoffläche fort.

Das Thema „Markt der Frische“ im EG lässt vielfältige Nutzungsoptionen zu. Neben den Hauptnutzungen Metzger-/ Bäckerfiliale sind Waren des täglichen Bedarfs, Gemüse- und Obst, Getränke und Molkereiprodukte, Cafe und Imbiss, eventuell eine Mittagsversorgung für Ältere und Bedürftige usw. denkbar.

Der anschließende Hof kann temporär für Wochen- oder Eventmärkte das Regionalwarenkonzept ergänzen.

Entgegen der Auslobungsvorgabe sehen wir die Gemeindeverwaltung idealerweise im 1. Obergeschoss platziert. In Verbindung mit dem benachbarten Coworking Space oder „Dorfbüro“ bieten sich nahezu optimale Synergiemöglichkeiten, um eine transparente Verwaltung und wirtschaftsfördernde Angebote zusammenzuführen.

Eine moderne, bürgernahe Verwaltung, verknüpft mit einem privaten Dienstleistungsangebot präsentiert sich für Bürger und Kunden „gläsern“ zum Halleninnenraum hin.

Dem Wunsch nach einer multifunktional nutzbarer Saalfläche entspricht der vorliegende Entwurf im 2.Obergeschoss. Aus einer leichten Holz-Beton-Skelettkonstruktion entwickelt sich ein markantes, zeitgenössisches Gebäudevolumen, welches dem Gestaltungsanspruch an ein öffentliches Bürgerhaus auf eine ganz spezielle Weise gerecht wird.

Der aufgesetzte Saal mit einer NF von ca. 210 qm (zzgl. Catering- und Garderobenbereiche) erhält straßenbegleitend großformatige Bogen-Fenster-Öffnungen, mit Analogien zu den mehrgeschossigen Produktionsgebäuden der Gründerzeit und Bezug zur Wellensymbolik des Stadtwappens, der Vereinigung von weißer und roter Göltzsch.

Der Entwurf möchte mit dieser, auf den ersten Blick simplen, aber dennoch ungewöhnlichen Formgebung, ein symbolisches Einzelstellungsmerkmal mit einem hohen Widererkennungswert schaffen.

Ellefeld erhält somit im erweiterten Göltzschtal eine unverwechselbare „Stadtmarke“, der Städteverbund Götzschtal, mit Falkenstein, Auerbach, Rodewisch eine weitere kulturell nutzbare Attraktion.

Ganz gleich ob Bürgerversammlungen, Vereine, Tanzschulen oder privat buchbare Nutzungen den Saal beleben; der Genius Loci, der „Geist des Ortes“, wird erlebbar.

Die Bewirtschaftung und gastronomische Betreuung wird idealerweise durch die im Hause ansässigen Dienstleister/Händler abgesichert. Bauordnungsrecht I Brandschutz I Baukonstruktion

Das Bestandsgebäude steht mit seiner Außenwand im Nord-Osten derzeit auf der Grundstücksgrenze. Durch den Rückbau des Mansarddaches und des 2. Obergeschosses würde der Bestandsschutz für eine Bewertung der notwendigen Abstandflächen theoretisch erlöschen. Da die neue Saalaufstockung im 2.Obergeschoss maßlich in etwa die Höhe des derzeitigen Mansarden- geschosses erreichen wird und in direkter Nachbarschaft perspektivisch nicht mit einer weiteren Neubebauung gerechnet werden muss, kann dieser Sachverhalt über eine Baulastübernahme der resultierenden Abstandflächen von ca. 5.60m durch den Nachbarn gelöst werden. Die resultierende Abstandfläche entspräche dann in etwa der Ansichtsbreite des hinteren Anbaus zur Straße hin. Eine weitere Möglichkeit wäre der Erwerb des benötigten Abstandflächenstreifens durch die Gemeinde.

Den Anforderungen des Brandschutzes begegnet der Entwurf mittels zweier unabhängiger, neuer Treppenhäuser mit Fluchtweganforderung. Sollte eine Nachweisführung im Rahmen der Versammlungsstättenrichtlinie erforderlich werden, können beide für Evakuierungszwecke genutzt werden.

Eine barrierefreie Erschließung der oberen Geschosse wird über einen Aufzug im Eingangsbereich sichergestellt.

Eine neue tragende Scheibe über 1.Obergeschoss wird als F 90-Decke in Stahlbeton ausgeführt.

Die konstruktive Lastabtragung erfolgt überwiegend über die vorhandenen Aussenwände, tragende Innenwandbereiche und ergänzende Stahlbetonstützen- und Wandelemente. Die Bestandsdecken über Erdgeschoss werden partiell unterfangen und statisch ertüchtigt.

Die notwendige Aufstockung erfolgt als leichte Holz-Beton-Hybridbauweise auf einer lastverteilenden Stahlbetondeckenscheibe. Bei allen Neubauteilen steht die Verwendung ökologisch nachhaltiger Baustoffe im Vordergrund.

Grundsätzlich sieht der Entwurf eine klare Ablesbarkeit zwischen alter und neuer Substanz vor. Bestehende Bauteile dürfen dabei bewusst Spuren oder „Narben“ aus der Vergangenheit tragen.

Das Entwurfskonzept soll überwiegend einfach, robust, aus wenigen Materialien und trotzdem variabel umsetzbar sein. Sichtbare Betonoberflächen kontrastieren mit unbehandeltem Holz und geschliffenem Gußasphalt, statt aufwendigem Ausbau erfolgt eine Grundrissgliederung mittels Mobiliar, Großzügige Raumverbundlösungen, statt Kleinteiligkeit usw.

Auszeichnung

1.Preis | Auftrag

Standort

Hauptstraße 34
08236 Ellefeld

Bauherr

Gemeinde Ellefeld

Architekt

Neumann Architekten Generalplaner

Mitarbeiter

Kristin Kaden
Tobias Hempel

Typologie

Kultur und Verwaltung

All fine.